Zentrale Fragestellungen
Anthroposophie versteht sich als ein wissenschaftlich fundierter Erkenntnisweg (siehe Erkenntniswissenschaft). Durch individuelle Schritte führt dieser Weg zu neuen Erkenntnissen und Lebensimpulsen. Anthroposophie umfasst daher kein System von festgelegten Themen und Ansichten. Ihre zentralen Fragestellungen ergeben sich aus einer existentiellen Auseinandersetzung von Zeitgenossen mit der Gegenwart. Einige leitdende Gedanken sind dabei:
In den letzten Jahrhunderten hat der Mensch zunehmend Verantwortung für seine eigene Existenz, für die Formen des Zusammenlebens und die Gestaltung seiner Lebenswelt übernommen. Dafür muss er sich auch hinreichend befähigen (siehe Sozialgestaltung und -kompetenz). Zunehmend hat er auch mit dem Paradox zu leben, dass er sich erst selbst zu dem entwickeln muss, was er seinem Wesen nach sein kann (Erkenntnisweg und Anthropologie). Welche Idee des Menschen er sich dabei als Ideal setzt, liegt in seiner individuellen Entscheidung - und wird bindend für die eigene Zukunft. Sein Menschenbild schafft somit Wirklichkeit und konfrontiert den Einzelnen mit seinen eigenen Existenzentscheidungen (Reinkarnation und Karma). Diese Freiheitsfähigkeit ist im 20. Jahrhunderts zunehmend existenzielle Lebensproblematik geworden: denn die Konsequenzen des Menschenbildes betreffen zunehmend die soziale und natürliche Mitwelt. Der Mensch steht so in wachsendem Mass in einem schöpferischen Zusammenhang mit der ganzen Welt. Anthroposophie als Geisteswissenschaft versucht diesen schöpferischen - d.h. geistigen - Zusammenhang zu verstehen und im Verstehen teilhabend mitzugestalten (Kosmologie, Entwicklungs- und Zeitfragen).
Dieser Zusammenhang drückt sich in nebenstehendem zentralen Themenspektrum der Anthroposophie aus, das durch Rudolf Steiner terminologisch geprägt wurde und seitdem vorwiegend in diesem Sprachgebrauch verwendet wird.
>>Die Sammlung von Quellentexten befindet sich im Aufbau<<


