Vom Wiederaufbau zum Dialog
"Bereits als Weltanschauung will Anthroposophie, wo sie dem Leben gegenübertritt, Praxis werden. Daß sie in den menschlichen Arbeits- und Kulturbereichen sichtbar tätig wurde, war nur eine Frage der Zeit, der Entfaltung und - der Mitarbeiter.
Nach dem zweiten Weltkrieg ging es den Anthroposophen nicht darum, alle bedeutenden kulturellen Erscheinungen zu beleuchten, ohne “einseitig Strömungen zu begünstigen”, sondern erkennen zu lassen, was freies Geistesleben sein kann, das aus der von Rudolf Steiner begründeten Geisteswissenschaft bereits hervorgegangen, aber während der nationalsozialistischen Diktatur unterdrückt worden war und weiterhin hervorgehen sollte. Die Dilettantismus-Frage aber und auch jene der “individuellen Äußerung”, d.h. die Bedeutung der individuellen Leistung auf “gediegenen Grundlagen”, blieb und bleibt eine entscheidende bei jeder anthroposophischen Arbeit.
Bis heute sind die vor fünfzig Jahren begonnenen oder bestehenden Aktivitäten in zahlenmäßig bemerkenswertem Maße angewachsen und zu der Reihe der damals aufgenommenen Tätigkeitsgebiete kam manch weiteres hinzu - etwa das sicherlich in erster Linie zu nennende und schon von Steiner ersehnte Bankwesen, aber auch Drogentherapie, Altenpflege oder die erst Ende der sechziger Jahre zu beachtlicher Entfaltung gelangte Kindergartenbewegung, um nur einige zu nennen. "
(aus: Almanach 1997 - Bodo von Plato, "Vom Wiederaufbau zum Dialog", Stuttgart 1997, S. 11f)
Vom Wiederaufbau zum Dialog
Zur Entwicklung und Kulturwirksamkeit anthroposophischer Arbeit in den vergangenen fünfzig Jahren. Ein Essay von Bodo von Plato.


