Meditation und Christuserfahrung
"Wenn Menschen heute nach meditativen Wegen suchen, um ihr Bewußtsein zu erweitern, so richtet sich der Blick sehr schnell weg von dem alltäglichen, durch das naturwissenschaftliche Weltbild geprägten Denken hin auf andere Bewußtseinsformen, die mit diesem Denken dann oft in keinerlei Beziehung mehr stehen. Der meditative Erkenntnisweg der Anthroposophie geht dagegen ganz bewußt von diesem Alltagsbewußtsein aus und versucht zunächst, dessen Grenzen erfahrbar zu machen. Es geht auf diesem Erkenntnisweg nicht darum, etwas Altes zugunsten eines Neuen einfach aufzugeben, sondern es wird dieses durch das naturwissenschaftliche Weltverständnis geprägte Bewußtsein selbst erweitert. Diese Erweiterung geschieht nun aber nicht durch Spekulationen oder Hypothesen, sondern durch die Ausbildung neuer Fähigkeiten, die eigentlich in jedem Menschen vorhanden sind, aber - sie schlafen.
Es geht also darum, Entwicklungsmöglichkeiten und Fähigkeiten zu erwecken, zur Entfaltung zu bringen, und nicht darum, etwas Fremdes in unser Bewußtsein hineinzusetzen oder ihm überzustülpen. Wir müssen lernen wahrzunehmen, wo Entwicklungsmöglichkeiten liegen, Keime, die schon da sind und die dann weitergeführt werden können über die Grenzen unseres Bewusstseins hinaus."
(aus: Jörgen Smit - Meditation und Christuserfahrung, "Der Beginn eines Erkenntnisweges", Stuttgart 1990, S. 7f)


