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Quellentexte zur Wortgeschichte

Wie aus nebenstehenden Zitaten hervorgeht, wird das Wort "Anthroposophie" schon vor der Prägung durch Rudolf Steiner als Bezeichnung für eine eigene wissenschaftliche Disiziplin verwendet.

Titelblatt und Übersetzung eines Schemas aus "Arbatel"

Der älteste bisherige Nachweis des Wortes "Anthroposophie" geht auf das 1575 anonym erschienene Buch "Arbatel de magia veterum, summum sapientiae studium" zurück. Es kann vermutet werden, dass es aus der Feder von Agrippa von Nettesheim stammt. Anthroposophie wird dort mit Theosophie ("Kenntnis des Göttlichen Wortes") zusammen zur "Wissenschaft des Guten" gezählt und umfasst die "Kenntnis der natürlichen Dinge" und der "Klugheit in menschlichen Angelegenheiten".  

Wie Rudolf Steiner dazu kam - durch die Trennung von der theosphischen Bewegung (siehe Geschichte) veranlasst - den Namen für die von ihm vertretene Sache zu finden, beschreibt er 1916: "Als es sich vor einer Anzahl von Jahren darum handelte, unserer Sache einen Namen zu geben, da verfiel ich auf einen solchen, der mir lieb geworden war, deshalb, weil ein Philosophie-Professor, dessen Vorträge ich in meiner Jugendzeit gehört habe, Robert Zimmermann, sein Hauptwerk "Anthroposophie" genannt hat." (GA 35, S.176) 

Quelle: Renatus Ziegler: "Anthroposophie", Quellentexte zur Wortgeschichte, in: Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Heft Nr. 121, Herbst 1999
(Hrsg.: Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung, Dornach)

 

Immanuel Hermann Fichte (1796-1879)

"Die Anthropologie hat zu ihrem letzten Ziele gründliche Selbsterkenntniss des Menschen, welche nur in der erschöpfenden Anerkenntnis des Geistes liegt. Sie wird damit zur "Anthroposophie" erhoben. Wahrhaft gründlich oder ergründend aber, wie sich von allen Seiten erwiesen hat, kann der Menschengeist sich nicht erkennen, ohne eben damit der Gegenwart oder Bewährung des göttlichen Geistes an ihm inne zu werden. Der allein genügende Standpunkt der Selbstbetrachtung ist es daher, das menschliche Selbst in dem an ihm hindurchscheinenden Wirken Gottes seine Wahrheit finden zu lassen. Indem der Mensch sich erfassen will, kann er sich nur in Gott erfassen." 

(aus: Immanuel Hermann Fichte - Anthropologie. Die Lehre von der menschlichen Seele, Leipzig 1856, S. 607)

 

Gideon Spicker (1872-1920)

"Handelt es sich aber in der Wissenschaft um die Erkenntnis der Dinge, in der Philosophie dagegen in letzter Instanz um die Erkenntnis dieser Erkenntnis, so ist das eigentliche Studium des Menschen der Mensch selbst und der Philosophie höchstes Ziel ist Selbsterkenntnis oder Anthroposophie."

(aus: Gideon Spicker - Die Philosophie des Grafen von Shaftesbury, Freiburg 1872, S. 319)

 

Robert Zimmermann (1824-1898)

"Anthroposophie ist der Name des Buches. Die Philosophie, welche denselben wählt, will damit angedeutet haben, dass es weder ihr Ziel sei, wie das der spekulativen Schule, Theosophie, noch ihr genüge, wie empirischer Unphilosophie, kritiklose Anthropologie, zu sein. Wenn derselben - nicht zur ihrem Leidwesen - die speculativen Schwingen fehlen, um mit ikarischem Aufflug das gottgleiche Wissen des theocentrischen Standpunktes der ersteren zu erreichen, so mangelt ihr nicht weniger die in mancher Hinsicht beneidenswerthe Gabe, über die Schranken und Widersprüche, die der gemeine Erfahrungsstandpunkt in sich trägt, das kritische Auge zuzudrücken. Ihr Wunsch geht dahin, anthropocentrisch d.i. 'Menschenwissen' und doch Philosophie d.h. von der Erfahrung aus-, aber, wenn es das logische Denken erfordert, über dieselbe hinausgehende Wissenschaft zu sein."

(aus: Robert Zimmermann - Anthroposophie im Umriss. Entwurf eines Systems idealer Weltsicht auf realistischer Grundlage, Wien 1982)

 

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