Anfänge und Grundlagen 1902-1912

Rudolf Steiner lebt um die Jahrhundertwende in Berlin als Schriftsteller, Vortragender und Redakteur in den unterschiedlichsten kulturellen Zusammenhängen. Nachdem er vor dem Hintergrund seiner Goethe-Forschungen die Grundlagen eines modernen spirituellen Realismus insbesondere mit der 1894 erschienenen „Philosophie der Freiheit“ (heute GA 4) gelegt hat, sucht er neben der weiteren Entwicklung der Anthroposophie nach Formen der Zusammenarbeit und Gesellschaftsgestaltung, die dem Geist des neuen Jahrhunderts entsprechen.
Anlässlich von Nietzsches Tod 1900 hält er in der Theosophischen Bibliothek von Graf und Gräfin von Brockdorff einen Gedenkvortrag. Er wird daraufhin eingeladen, im Winter 1900/01 und 1901/02 Vortragsreihen über Mystik, Mysterien, Christentum und neuzeitliches Bewusstsein zu halten.
Die in Bildung befindliche Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft sucht für ihre Gründung einen Generalsekretär. Die Wahl fällt auf Rudolf Steiner. Er sagt unter der Bedingung zu, dass er auf Grundlage seiner eigenen geistigen Forschung arbeiten kann und dass Marie von Sivers (Marie Steiner) seine Mitarbeiterin wird. Steiner findet in dem etwas mehr als 100 Mitglieder zählenden Zusammenhang Aufgeschlossenheit für sein Anliegen: aus der Entwicklung des geistigen Eigenwesens des Menschen kulturgestaltend zu wirken. (siehe auch: Gründungsgeschichte der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft)
Der Aufbau der Theosophischen Gesellschaft im deutschsprachigen Gebiet durch Rudolf Steiner und Marie von Sivers ist durch dieses Anliegen bestimmt. Steiner beginnt eine rege Vortragstätigkeit in Europa mit einem weit gespannten Themenspektrum. Die grundlegenden Werke zur Anthroposophie erscheinen: 1904 „Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung“ (GA 9); 1904/05 „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ (GA 10); 1910 „Die Geheimwissenschaft im Umriß“ (GA 13). Unter der Federführung Rudolf Steiners findet 1907 der Internationale Theosophische Kongress in München statt. Er gestaltet ihn unter künstlerischen Gesichtspunkten, Elemente des späteren Goetheanum-Baus klingen an.





