Den spirituellen Werten verpflichtet
Es gibt Momente im Leben, wo sich der Mensch von etwas Höherem berührt fühlt.
Es kann beim Betrachten eines Sonnenauf- oder -untergangs sein, bei der Geburt eines Kindes, beim Betreten eines Doms oder in der Begegnung mit einem von der Weisheit des Lebens erfüllten Menschen. Diese Momente verschwinden oft in der Flut des Alltags. Wenn wir aber zurückschauen, betrachten wir sie als besonders beglückende Ereignisse. Gefühle, die in solchen Momenten in einem hervortreten, sind besonderer Art. Es sind Gefühle des Staunens, der Ehrfurcht oder der Verehrung. Sie bieten einen Zugang zu dem, was der Mensch als Göttliches empfindet.
Die Pflege solcher Gefühle spielte in jeder traditionellen Kultur eine zentrale Rolle. Aus ihr sind die religiösen Bewegungen, die man heute noch kennt, hervorgegangen. In zunächst unbewusster Weise wurde erkannt, dass die Pflege dieser Gefühle Bedeutung hat für die Entwicklung des Menschen.
In einer Zeit der globalen Ausbreitung einer modernen, vorwiegend westlichen Zivilisation, die ihre Wurzeln in einer materialistischen Wissenschaft hat, muss die Pflege des Religiösen in neuer Art gefunden werden.
In der Waldorferziehung werden von früher Kindheit an die Gefühle des Staunens, der Ehrfurcht und der Verehrung gepflegt. Das Kind lernt, sich selbst als einen Teil des Universums zu empfinden, in dem des Schöpfers Hand am Werk ist.
Heinz Zimmermann / Jon Mc Alice


