Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft und Kulturinitiativen
Während der jährlich stattfindenden Sommerfestspiele in München 1910–1913 werden „Mysteriendramen“ Rudolf Steiners aufgeführt. Dabei tritt die neu entstehende Bewegungs- und Bühnenkunst Eurythmie in der Darstellung geistiger Vorgänge erstmals in Erscheinung.
Im Dezember 1912 wird die Anthroposophische Gesellschaft in Köln gegründet, die etwa 3.000 Mitglieder umfasst. Marie von Sivers, Michael Bauer und Carl Unger bilden den Vorstand. Rudolf Steiner wirkt als Berater und Vortragender. Der überkonfessionell christliche Charakter der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft führt zur Trennung von der Theosophischen Gesellschaft. (siehe auch: Gründungsgeschichte der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft)
Seit September 1913 und während des Ersten Weltkrieges wird unter Mitarbeit von Helfern und Künstlern aus allen europäischen Ländern das Goetheanum in Dornach bei Basel als internationales Zentrum anthroposophischer Arbeit und Aufführungsort für die Mysteriendramen gebaut. Während der Bauzeit entstehen um das Goetheanum wissenschaftliche und künstlerische Einrichtungen; architektonische Entwürfe zu Wohn- und Zweckbauten von Steiner werden realisiert. Marie Steiner inszeniert Szenen aus Goethes „Faust“ und die Eurythmie wird weiterentwickelt. Die Anthroposophie wird durch das Goetheanum für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar.
In der Nachkriegszeit engagieren sich Rudolf Steiner und einige seiner Mitarbeiter mit der Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus für eine neue Gesellschaftsordnung. Im April 1919 bittet Emil Molt Rudolf Steiner, die Leitung einer Schule für die Kinder der Arbeiter seiner Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik zu übernehmen, im September wird die erste Waldorfschule in Stuttgart eröffnet. Rudolf Steiner wird zu pädagogischen Kursen in der Schweiz, nach England und Holland eingeladen, weitere Schulgründungen folgen.
Auf Anregung u. a. von Oskar Schmiedel und Ita Wegman hält Rudolf Steiner Vorträge zur geisteswissenschaftlichen Erweiterung der Medizin, seit 1921 entstehen anthroposophisch orientierte Kliniken und pharmazeutische Produkte.
In ‚Hochschulkursen’ in verschiedenen europäischen Ländern werden die Praxis und die wissenschaftliche Orientierung der Anthroposophie vorgestellt. Die von einer Konzertagentur organisierten Vortragsreisen Rudolf Steiners finden breite Resonanz in der Öffentlichkeit. Die bis heute erscheinenden Kulturzeitschriften „Das Goetheanum“ und „Die Drei“ werden gegründet. 1922 findet in Wien der internationale West-Ost-Kongress statt. Die Initiative von Theologen, Pfarrern und Theologiestudenten führt einen Menschenkreis um Friedrich Rittelmeyer 1922 zur Gründung der Christengemeinschaft als Bewegung für religiöse Erneuerung.








