Kind sein dürfen
Es sind unsere Kinder, die die Erneuerungskräfte in die Entwicklung der Menschheit hineintragen. Kindheit ist mehr als eine Vorstufe des Erwachsenseins und bedarf besonderer Pflege und des Schutzes.
Nachahmungskräfte bilden Selbstvertrauen
Kinder der Vorschulstufe lernen durch Nachahmung. Vielfältige Erfahrungen menschlicher Tätigkeiten (Haus- und Handarbeiten, Handwerke), mythische Erlebnisse (Märchen, Geschichten, Puppenspiele) und Naturbegegnungen (Tiere, Pflanzen, Steine, Feuer usw.) schaffen einen Reichtum von unverschulten Primärerfahrungen. Nachahmung stärkt das Vertrauen in die Umgebung, die Welt. Ihre Bejahung und Stärkung bilden späteres Selbstvertrauen.
Orientierung an der Autorität
In den ersten Schuljahren werden intellektuelle Inhalte und gedankliche Reflexion behutsam an das Kind herangebracht. Kulturtechniken wie Schreiben, Lesen, Rechnen werden auf bildhafte, gemüthafte Weise eingeführt, so dass das Kind sie auch gefühlsmässig integrieren kann. Erst wenn sich das Kind mit allen seinen Sinnen mit der Erde zu verbinden gelernt hat, kann es sich angstfrei von seinen kindlich unreflektierten seelischen Bindungen an die Wahrnehmungen lösen. Innere seelische Sicherheit erfährt das Schulkind durch Orientierung an der Autorität der Erwachsenen. Durch konstante und persönliche Beziehung.
Eigenes Urteil braucht Zeit
Ab der 4. Klasse löst sich die Schülerin oder der Schüler zunehmend von der unbewussten Bindung an die Erwachsenen. Später bedeutet Pubertät oft die Umkehrung aller Werte. Das selbständige Urteil bildet sich erst, wenn man die Sache von vorne und von hinten angesehen hat.
Wir warten gerne. Und fördern und fordern aber dann das selbständige Urteil sehr gezielt, indem wir nicht fertige Begriffe und Modelle an die Schüler/-innen herantragen, sondern sie zu exaktem Wahrnehmen und eigenaktivem Denken anregen.
