Geisteswissenschaftliche Grundlagen
Die Anfrage Emil Molts an Rudolf Steiner fällt auf vorbereiteten Boden. Rudolf Steiner ist seit seiner Tätigkeit als Nachhilfelehrer, Hauslehrer und Dozent an der Arbeiterbildungsschule in Berlin mit pädagogischer Praxis vertraut und hat verschiedentlich über Pädagogik vorgetragen und publiziert (u. a. GA 34, S. 309 f.; GA 55, S. 118 f.; GA 60, 8. Vortrag). Nach der Schulgründung 1919 wird Rudolf Steiner in wachsendem Maße aufgefordert, auch in der Schweiz, in Holland und in England über seine pädagogischen Ansätze vorzutragen.
Zusammen mit Lehrern der Waldorfschule (u. a. Caroline von Heydebrand, Hermann von Baravalle, Walter Johannes Stein, Ernst Blümel, Julie Lämmert, Karl Schubert, Erich Schwebsch) – hält er in diesen Ländern acht größere Kurse über Pädagogik; neben der Vielzahl von Vorträgen und Kursen in Deutschland dokumentiert eine Erziehungstagung im April 1924 in Stuttgart mit 1.700 Teilnehmern das wachsende öffentliche Interesse.
Zwischen 1919 und 1924 hält Rudolf Steiner insgesamt ca. 200 Vorträge für Lehrer, Eltern, pädagogisch Interessierte, schreibt eine Reihe von Aufsätzen und hält Konferenzen mit dem Kollegium der Waldorfschule (GA 296–311), die in den verschiedensten Facetten zeigen, dass es ihm nicht um ein alternatives Unterrichtssystem, sondern um Belebung der täglichen pädagogischen Praxis aus dem Verständnis für die individuelle Entwicklung der Schüler in ihrem sozial-kulturellen Umfeld und um die Steigerung der situativen geistigen Produktivität der Lehrenden aus dem Verständnis menschlicher Entwicklung geht.
Diese Darstellungen werden durch Kurse für einzelne Fachbereiche wie Sprachwissenschaft, Physik und Astronomie ergänzt (GA 299, 320, 323).

