Arbeitserfahrungen
Wenn sich die Konferenz für Heilpädagogik und Sozialtherapie als Organ der Medizinischen Sektion am Goetheanum zu ihren jährlichen Plenarversammlungen trifft, versammeln sich Vertreter aller Länder an einem runden Tisch. Zweierlei wird sichtbar: unsere Verschiedenheit begründet kein hierarchisches Verhältnis, in dem einer lehrt und der andere lernt, sondern eine Situation des Voneinander-Lernens und Aneinander-Erwachens.
Und trotz aller Verschiedenheit teilen wir die gleichen Fragen und Probleme: Wo wir zusammenarbeiten wollen, schaffen wir nicht nur gute Arbeitsergebnisse, sondern bringen auch Probleme, Fragen und Ratlosigkeit hervor. Wir haben offene Forschungsfragen und Schwierigkeiten in der Weitererarbeitung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen unserer Arbeit. Wir stehen innerem und äusseren Druck gegenüber, in einer Zeit, in der soziale Initiative immer mehr mit Restriktionen und Gängelung bestraft wird.
Gerade dies kann aber auch dazu führen, unser eigenes Potential zu unterschätzen: unsere brüderliche Verbundenheit zu den Menschen, die in unseren Einrichtungen leben, die Vielzahl an Einrichtungen und Angeboten, welche die breite Arbeitsbasis der heilpädagogischen und sozialtherapeutischen Bewegung repräsentieren, und nicht zuletzt die Tatsache, dass die Arbeit auf breiteren Füssen ruht denn je und sich in einer enormen - auch verwirrenden - Vielfalt zum Ausdruck bringt.
Anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie ist heute in vielen Ländern anerkannter Teil des sozialen Netzwerks, sie verfügt über ein internationales Netzwerk der Zusammenarbeit, das auf gegenseitiger Hilfe und Unterstützung beruht, und ihre Angebote werden von denjenigen, die sie in Anspruch nehmen - Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige -, nicht nur genutzt, sondern mit- und weiterentwickelt.

