HomeÜber UnsKontakt

19. November 2008

Romantik – Impulse für eine kulturelle Identität

Das Symposium der Alanus Hochschule setzt sich mit den Kernimpulsen der Romantik auseinander, indem es insbesondere den interdisziplinären Ansatz von bildender Kunst,...


18. November 2008

Rüttihubeliade 08

Freitag, 26. Dezember bis Dienstag, 30. Dezember 2008 - Fünf aufeinanderfolgende Konzerttage im Kulturzentrum Rüttihubelbad ...


17. November 2008

‹der sechste tag›

Das 50minütige Werk, im Rahmen der Tagung und Ausstellung 'between planets', zeichnet die Evolution und die Beziehung des Menschen zu den Planetensphären nach:...

Axel Schliwa

Das künstlerische Ergreifen des Raumes und die Geburt des Christkindes

In diesem Beitrag werden an Bildern von Altdorfer, Meister Franke und Rembrandt einige vertiefende Bildbetrachtungen als Erkenntnisübung angeboten. Ziel ist es, die Rolle des Verstandes mittels künstlerischer Führung des Denkens neu bestimmen.


Textprobe

„Gelingt es dem Verstand, die Raumgestaltungsprozess Altdorfers oder anderer Maler, die Christi Geburt ins Bild setzten angemessen zu begleiten, kann sich im Betrachter ein elementares Erlebnis einstellen. Dies geht über das bloße Hineinträumen ins Bild und äußerliches Beurteilen hinaus.“

Das Weihnachtsgeschehen in Naivität hinzunehmen, ist heute nur für dem altersgemäßen kindlichem Suchen vergönnt. Der Erwachsene sollte aber sich davor hüten den Verstand, der sich in ihm entwickelt hat, einfach äußerlich beiseite zu drängen. Er darf ihm nur im Seelenleben seine eigentliche Aufgabe bei der Kunstbetrachtung zuweisen. Wer dies ernsthaft versucht bemerkt sofort, dass diese Zurechtweisung keine Verstandestätigkeit ist. Auch das folgende Erlebnis nicht, was die Einsicht und das Miterleben eines so wichtigen Ereignisses, wie die Geburt Christi auf wirklich festen Boden und nicht nur als Behauptung in den Lüften schwebend aufleuchten lässt.

Als festgezimmerte naive Vorstellung, stellt sich die Geburt des Christkindes im Erwachsenalter als schlecht konservierte Vorstellung und mit unerfüllten Sehnsüchten und oberflächlichen Kindheitserinnerungen ein.

Die Suche gilt aber einem Erlebnis im Herzen, das immer wieder neu aufgefunden werden kann und auf den unterschiedlichsten Wegen erreichen ist. Die Zweifel an der Geburt Christi von einer Jungfrau, die mit der Verstandesentwicklung um die Pubertät beginnend eintreten, haben was das äußere Geschehen betrifft durchaus ihre volle Berechtigung.

Nur die Einsicht, dass es sich hier um ein Bild eines realen inneren Seelengeschehens das sich außerhalb von Raum und Zeit begründet, kann diese Zweifel ernsthaft aus dem Weg räumen. Dies ist nicht mittels des Verstandes möglich, sondern kann mittels einer künstlerischen Betrachtungsweise die ein Abwägen verschiedener Tatsachen im Herzen impliziert erlebt werden. Dadurch findet sich sogar der Punkt, wo diese geistige Tatsache unser zeitlich-räumliches Dasein berührt. Hält der Erwachsene unreflektiert an der naiven Vorstellung der Christgeburt, die für Kinder die angemessene ist fest, wirkt er kindisch.

Ebenso unsinnig ist es der Frage der jungfräulichen Empfängnis nachzustellen. Als äußeres Geschehen interpretiert hat dies keinen Bestand. Das kindlich Seelische, das sich noch nicht mit den Kompromissen an die Menschlichkeit in dieser Welt behaftet ist, kann durchaus als jungfräulich angesehen werden. Meister Franke zeigt diesen inneren Zustand ohne die äußerlichen Anfechtungen, die dieses Seelische nur allzu oft vergewaltigen.

Wer es lernt die einzelnen Tatsachen in ihrem seelisch geistigen Zusammenhang erkennen, bemerkt wie ihm innerlich eine neue Erkenntnismöglichkeit, die sich am besten mit der Geburt eines kleinen Kindes vergleichen läßt. Während des Lebens mit diesem Kinde lässt viel von ihm lernen. Es will aber auch gepflegt sein. Bei dieser Pflege stellt sich eine Bibelszene als wohl treffende Metapher heraus. Diese veranschaulicht den Verstand, der er wie Herodes gern am falschen Platz tätig wird und wenn man es zulässt ein wenig mit dem Kindermord in Bethlehem zu tun kriegt.“

Axel_Schliwa_kuenstlerisches_Raumerfassen_pdf.pdf