Es war in der Zeit des Ersten Weltkrieges, als eine Zuhörerin und Zuschauerin die Initiative ergriff, die Tafeln vor Beginn des Steiner-Vortrages mit schwarzem Karton zu bespannen. Diesem Umstand - oder diesem Kunstgriff - ist es zu verdanken, daß etwa 1100 Vortrags-Bilder erhalten geblieben sind: großformatige, schwarze Pappen, darauf weiße und farbige Kreidestriche und -flächen, allesamt Zeugnisse aus einer "pädagogischen Provinz", die sich von keinen Grenzen umstellt oder beengt sah. Konserviert und aufbewahrt wurden sie in den Magazinen des Rudolf Steiner Archivs der Nachlaßverwaltung in Dornach bei Basel.
zu dieser Tafel gehört folgende Textstelle:
"Bei gewöhnlichem Denken blickt man lediglich bis zum Spiegel seines Inneren, also da hin, wo sich die Dinge der Außenwelt im Inneren spiegeln. Beim imaginativen Denken blickt man hinter den Spiegel. Dort finden wir nicht dasselbe wie in der äußeren Natur; Hier ist das tote Denken (rechts), auch das abstrakte Denken genannt, und dort (links) haben wir das lebendige Denken. Und im lebendigen Denken sind Gedanken selbst Kräfte."
Die Plastik bildet den Anfang der künstlerischen Tätigkeit Rudolf Steiners. Anläßlich des theosophischen Kongresses in München 1907 entstanden Entwürfe zu Säulenkapitellen, die als Vorlage für die Dekoration des Versammlungssaales dienten. Sie zeigen schrittweise sich verwandelnde Formen, die sich zuerst verdichten und ein Zentrum bilden, um sich dann zu öffnen und mit dem Umkreis zusammenzuklingen. Diese Motive waren für die meditative Arbeit bestimmt und sollten, rein künstlerisch, also nicht symbolisch, sondern mit der Empfindung aufgefasst, zur Verlebendigung der inneren Anschauung dienen. Damit versuchte Rudolf Steiner Goethes Entdeckung der Metamorphose der Pflanze über ein Verständnis der Natur hinaus fruchtbar zu machen. Gleichzeitig bildeten diese Motive den Ausgangspunkt von Rudolf Steiners plastisch-architektonischem Schaffen und den Kern des ab 1913 entstehenden Goetheanums, zu denen einen Fülle weiterer Motive hinzukommt: Sockel, Architrav- und Portalmotive, die alle auf unterschiedliche Weise Formverwandlungen durchmachen. Sie bilden ein Relief, das die Raumgrenze lebendig und beweglich macht. Damit war die Absicht verbunden, das Abschließende der Wand zu überwinden und die Weite des geistien Kosmos fühlbar zu machen.
Auch mit seiner Malerei greift Rudolf Steiner auf Goethe zurück. Dessen Auffassung der Farben als ‚Taten und Leiden des Lichts’ betont die dynamische Natur dieser Qualitäten. Dementsprechend fordert Rudolf Steiner, dass die malerische Form aus der Dynamik hervorgehen solle.


