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Der Menschheitsrepräsentant

Die Figurengruppe des Menschheitsrepräsentanten nimmt an dem Prinzip der Formverwandlung auf eine ganz andere Weise teil. Hier findet sich eine menschliche Gestalt zwischen zwei weiteren, gegensätzlich gebildeten Figuren. Die eine ist segelartig gebläht und stürzt sich über und hinter der mittleren Figur in einen Abgrund.

Die andere ist verknöchert und gräbt sich von unten in eine Höhle. Damit kommen Kräfte zur Anschauung, die in ihrer Gegensätzlichkeit als fiebrige Auflösungstendenz und sklerotisierende Verfestigung in der Bildung der menschlichen Gestalt tätig sind. Im gesunden Fall befinden sich diese Tendenzen im Gleichgewicht und werden dadurch unkenntlich.

Aus der menschlichen Gestalt herausprojiziert werden sie dagegen in ihrer Einseitigkeit anschaulich. Die zentrale Figur mit ihren weit nach oben und unten weisenden Armen stellt sich als eine aktive Mitte zwischen diese Extreme und fordert auf, zwischen diesen ein bewusstes Gleichgewicht herzustellen.

 

Als „Menschheitsrepräsentant“ bezeichnet Rudolf Steiner die als „Höhepunkt“ und „Mittelpunkt“ des ersten Goetheanum gedachte, neuneinhalb Meter hohe Skulptur aus geschnitztem Ulmenholz. Sie sollte im hinteren Teil der Bühne des ersten Goetheanum ihren zentralen Platz haben.

Diese auch „plastische Gruppe“ oder einfach „Gruppe“ genannte Plastik wurde von Rudolf Steiner mit Edith Maryon in verschiedenen Schritten 1914–17 in Modellen konzipiert und ab 1917 bis zum Tod Rudolf Steiners 1925 in einem eigens gebauten Atelier („Hochatelier“) geschnitzt. Sie ist erhalten geblieben, da sie sich zum Zeitpunkt des Brandes des ersten Goetheanum noch im Atelier befand.

Heute sind diese nicht vollendete, Christus in der Auseinandersetzung mit Luzifer und Ahriman darstellende monumentale Plastik und Vorstudien dazu in einem eigenen Raum im Goetheanum zu sehen. Das gleiche Motiv war auch auf der Deckenmalerei in der kleinen Kuppel des ersten Goetheanum zu sehen.

- Robin Schmidt

Raab, Rex: Edith Maryon, Bildhauerin und Mitarbeiterin Rudolf Steiners, Dornach 1993, S. 137 ff.; Fant, Åke u. a.: Die Holzplastik Rudolf Steiners in Dornach, Dornach 1981; Atwood, Sophia Imme: Die Bedeutung der Holzplastik Rudolf Steiners für die anthroposophische Kunst, Dornach 2002. Der „Menschheitsrepräsentant“