Soziale Plastik
Das Werk Joseph Beuys ist eng mit dem Werk von Rudolf Steiner und Wilhelm Schmundt verbunden. In der Dreigliederung des Sozialen Organismus findet er wie sie die einzige lebendige Gesellschaftsform, die dem Wesen des Menschen gerecht wird, und in die sich der Mensch seinem Wesen entsprechend hinein gestalten kann. Mehrmals verweist Joseph Beuys auf Rudolf Steiner und sein Begreifen des Sozialen Organismus.
Rudolf Steiner seinerseits verweist bereits 1906 auf die Bedeutung der Sozialen Kunst (Vortrag vom 02.01.1906 in Berlin: "Die königliche Kunst in einer
neuen Form."), wie sie dann von Joseph Beuys begriffen und in ihren Ansätzen realisiert worden ist. "Die königliche Kunst der Zukunft wird eine Soziale Kunst sein."
Mit Wilhelm Schmundt verband Joseph Beuys eine langjährige Freundschaft im Geiste, die auf der Begegnung der beiden während des Jahreskongresses Dritter Weg 1973 in Achberg und auf dessen Studium seiner grundlegenden Schriften fußte. Joseph Beuys nannte Wilhelm Schmundt: "Unser großer Lehrer". In der Folge dieser Begegnung übernahm Joseph Beuys die Arbeitsergebnisse und Betrachtungsweise von Wilhelm Schmundt (Die Soziale Dreigliederung in ihrer Freiheitsgestalt) und integrierte dessen Erkenntnisse zu zeitgemäßen und menschenwürdigen Geld- und Kapitalbegriffen ("Kunst = Kapital") in sein Werk.
In der Sozialen Plastik werden das Menschsein und die neue Form der Gesellschaft, die Kunst im erweiterten Sinn, aus der Zukunft kommend begriffen. Das Denken und Handeln orientiert sich nicht länger an traditionellen Strukturen und geschichtlich-gewachsen Erkenntnissen, sondern öffnet sich einem solchen,
das sich erst zukünftig entwickeln wird. Die Aufgabe der heute erst begriffenen Kunstfelder ist es zunächst, die Voraussetzungen und Übungsfelder dafür zu schaffen. Die geeigneten Instrumente, um dies zu erreichen, sind unter anderen
im Verständnis von Joseph Beuys:
ein neues Denken und Handeln in solchen Begriffen
die Direkte Demokratie durch Volksabstimmung
ein Sich-Vervollkommen in menschlichen Qualitäten
ein Sich-Üben in sozialen Prozessen

