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31. August 2008

Designpreis für Kunst-Katalog der Alanus Hochschule

Aus fast 6000 eingereichten Arbeiten hat die Jury 343 Gewinnerarbeiten ausgewählt. ...

 


19. August 2008

„Soziale Skulptur Monte Azul“

Diese Tagung will den Menschen als Künstler, als Gestalter der Sozialen Skulptur, in einer praktischen Arbeit vorstellen: die Sozialarbeit der Associação Comunitária...


13. August 2008

ANDERZEIT II

Darstellungen | Erkundungen | Gespräch

Tagung vom 1. bis 5. Oktober 2008 | Goetheanum Schweiz

92 STUNDEN MENSCHEN

Musiktherapie

Musik in der anthroposophischen Heilpädagogik.

Entwicklungslinien und Pioniergestalten
In der Pionierphase der anthroposophischen Heilpädagogik haben sich die seit 1924 entstandenen „Heil- und Erziehungsinstitute“, über den heilpädagogischen Arbeitsauftrag hinaus, als Kulturinseln verstanden. Die zunächst ziemlich starke Abgeschlossenheit gegenüber der Außenwelt, die innere und äußere Stringenz des Zusammenlebens, der hohe Stellenwert des Künstlerischen, haben die Herausbildung eines über Jahrzehnte unverkennbaren Stils begünstigt. Ein wesentlicher Gestaltungsfaktor und damit auch Stilmerkmal anthroposophischer Heilpädagogik war die Musik, und zwar in folgenden Bereichen:
1)  lebens- und gemeinschaftsgestaltend (Musik im Tages- und Jahreslauf, Festgestaltung)
2)  Unterricht mit den Kindern und Jugendlichen
3)  in therapeutischer Anwendung, mit Einzelnen oder Gruppen, auch in Zusammenhang mit (Heil)-Eurythmie
4)  als Schulungsfeld der Mitarbeiter bzw. der in Kursen für die Mitarbeit Auszubildenden

In der allerersten Zeit gebrauchte man für das instrumentale Musizieren das Klavier und die klassischen Orchesterinstrumente sowie verschiedene elementar zu handhabende Schlaginstrumente. Viele der jungen Mitarbeiter kamen von der Wandervogelbewegung her, so wurden selbstverständlich auch Lauten und die seit etwa 1925 auch in Deutschland wieder gebauten Blockflöten benutzt. Den entscheidenden und für die musikalische Stilbildung folgenreichen Einschlag brachte jedoch die 1926 von Edmund Pracht konzipierte und durch Lothar Gärtner  gebaute Leier, fortan eines der zentralen Handwerkszeuge des anthroposophischen Heilpädagogen.

Die Anfänge
In den Anfangsjahren anthroposophischer Heilpädagogik hat sich die bewußte rhythmische Durchgestaltung des Tages-, Wochen- und Jahreslaufes als verbindliches und verbindendes Element herausgeprägt. Hier hatte die Musik entscheidende Akzente zu setzen, ob im Morgen- und Abendkreis, bei Weckmusik oder Musik zum Einschlafen, bei Sonntagsmusiken, zu den Jahresfesten oder den sonntäglichen religiösen Feiern.

Schon im Sommer 1926 hatte Edmund Pracht eine musikalisch-heilpädagogische Studiengruppe ins Leben gerufen, um im Zusammenwirken von Musikern, Heilpädagogen und Ärzten (heil)pädagogisch-therapeutische Grundfragen der Musik zu bearbeiten (Beilharz 1998/99). In den von der Ärztin Ita Wegman seit den 1920er Jahren eingerichteten ärztlichen, heilpädagogischen und heileurythmischen Fortbildungskursen bekam Pracht dann die Aufgabe, mit den Kursteilnehmern künstlerische und musikalisch-menschenkundliche Grundlagen zu erarbeiten, wobei die Leier als zentrales Medium fungierte. Mit Prachts Art einer gründlichen phänomenologischen Bearbeitung der musikalischen Elemente wurden die Grundzüge einer bis heute für anthroposophisch arbeitende musikalische Studiengänge charakteristischen Arbeitsweise vorgezeichnet.

Von allen der anthroposophischen Heilpädagogik verbundenen Komponisten der ersten Generation hat am überzeugendsten Alois Künstler (1905 – 1991) einen neuen Ton getroffen, der den Bedürfnissen der Schul- und Heimgemeinschaften entsprach: eine im besten Sinne des Wortes dienende Musik, in deren unverwechselbarem lapidaren Gestus  subjektives Ausdrucksbedürfnis gänzlich zurückgenommen scheint (Beilharz 1984, 2003, Lampson 1985, 1993).  

„Heilmusik“
Schon Ende der 1920er Jahre gab es am Sonnenhof in Arlesheim gezielte musiktherapeutische Bestrebungen (Bort 1927, Pracht 1927) – man sprach damals von „Heilmusik“ – sowie rhythmische und heileurythmische Übungen mit Musik. Die von großem Enthusiasmus und Pioniergeist beflügelte musikalische und musiktherapeutische Arbeit jener Jahre wurde in Vorträgen und öffentlichen heilpädagogischen oder anthroposophischen Tagungen mehrfach dargestellt[1] Doch schon nach wenigen Jahren stagnierte die Weiterentwicklung einer gezielten musiktherapeutischen Arbeit. Selbstverständlich wurden jedoch in den heilpädagogischen Instituten therapeutische Wirksamkeiten der Musik weiterhin gehandhabt: Im Bereich des Unterrichts, sowie in der differenzierten rhythmischen Durchgestaltung des Tages-, Wochen- und Jahreslaufs hatte die Musik als „heilpädagogisches Werkzeug“ eine grundlegende Aufgabe, vor allem hinsichtlich ihrer harmonisierenden Wirkungen. Dabei gab es durchaus auch „Einzelmaßnahmen“, wie z.B. individuell gestaltete Weckmusiken, um epileptische Anfälle beim Aufwachen zu vermeiden. Mit musikalischen Elementen in diesem Sinne umgehen zu können, anders gesagt: ein musikalisiertes, harmonisierendes Lebensmilieu schaffen zu können, gehörte zu den Kompetenzen eines guten Heilpädagogen.[2] So kann man für die 1930er und 1940er Jahre von einer vielfältig ausdifferenzierten musikalisch-heilpädagogischen Kultur in den anthroposophischen Einrichtungen sprechen.

Die Situation nach 1950
Zu einer gezielteren Ausarbeitung musiktherapeutischer Ansätze kam es erst in den 1950er Jahren. Hier ist zunächst der vielfältig initiative Arzt und Heilpädagoge Karl König (1902 – 1966), der Begründer der Camphill-Bewegung, zu nennen. Er und seine Mitarbeiter in Camphill Aberdeen (später auch an anderen Orten) entwickelten eine Reihe von musiktherapeutischen Vorgehensweisen,  zunächst vor allem in Form von Gruppentherapien für Kinder mit bestimmten heilpädagogischen Krankheitsbildern. Dabei wurden auch heileurythmische Elemente (Müller-Wiedemann 1955, 1989) oder die Anwendung von farbigem Licht (Rascher 1969) einbezogen. Eine ausführliche, über Einzelaspekte hinausgehende Dokumentation dieser Arbeiten steht bis heute aus.[3]

Einen neuen Einschlag bekam ab 1963 die von Karl König angestoßene musiktherapeutische Arbeit durch das Zusammenwirken des Arztes Hans Heinrich Engel und des Musikwissenschaftlers Hermann Pfrogner (Engel 1999, Pfrogner 1976, 1978, 1985, 1989). Eine von ihnen initiierte internationale musiktherapeutische Studiengruppe, der Ärzte, Heilpädagogen und Musiker angehörten, bestand zwar nur wenige Jahre, hat jedoch die anthroposophische Musiktherapie bis in die Gegenwart stark geprägt (vgl. auch Stückert 1997). Zu den musiktherapeutisch arbeitenden Teilnehmern dieser Gruppe, die die Anregungen von Engel und Pfrogner in den nächsten Jahrzehnten weiterentwickelten und in Kursen und Ausbildungsstätten weitergaben, gehören

-    Veronika Bay, 1974 Mitbegründerin eines bis 1981 bestehenden musiktherapeutischen Ausbildungsganges in Chistophorus,

-    Christof Andreas Lindenberg, eine der führenden Musikerpersönlichkeiten der Camphill-Bewegung, 1970 Mitbegründer der Freien Musik Schule (Wanderstudium für Kunst, Pädagogik, Therapie), 2001  Gründung der Dorian School of Music Therapy, Glenmoore, PA, USA,

-     Maria Schüppel, die schon 1963 in Berlin die erste anthroposophische Musiktherapieausbildung begründete und bis 1993 leitete,

-    Johanna Spalinger, wie Lindenberg in der Camphill-Bewegung als Musikerin und Musiktherapeutin maßgeblich tätig, ebenfalls zum Gründungskollegium der Freien Musik Schule gehörig, 1997 Gründung der Orpheus-Schule für Musiktherapie in Beitenwil/Bern.

Julius Knierim
Die wohl einflußreichste Musikerpersönlichkeit innerhalb der anthroposophischen Heilpädagogik seit den 1950er Jahren war Julius Knierim (1919-1999). Sein Konzept stand in bestimmter Hinsicht den von König und Engel impulsierten Ansätzen diametral entgegen. Rückte dort die, häufig auch rezeptive,  musiktherapeutische Intervention in die Nähe einer medikamentösen Behandlung, musikalische Elemente im Sinne von Wirk-„Stoffen“ wohl dosierend, wirkte Knierim im Grunde als Lehrer und Künstler. Die von ihm am Heil- und Erziehungsinstitut Michaelshof Hepsisau seit 1947 bis in die 90er Jahre hinein entfaltete musikalische Arbeit rechnete vor allem mit den persönlichkeitsstärkenden und seelisch ordnenden Kräften der künstlerischen Tätigkeit. Im Unterricht mit den Kindern und Jugendlichen waren es nicht zuletzt improvisatorische Übungen, die in diesem Sinne (heute würde man von Salutogenese sprechen) gesundend wirkten. Durch seine jahrzehntelange Mitarbeit in heilpädagogischen Ausbildungsstätten, bei internationalen Fachtagungen und Kursen wirkte Knierim stilprägend und durch seine eigene exemplarische Arbeit am Michaelshof Hepsisau hohe Maßstäbe setzend.  Auch der von ihm 1961 initiierte internationale „Kreis der lehrenden Leierspieler“ und die 1970 gegründete Freie Musik Schule trugen stark zur Verbreitung seiner Arbeitsansätze bei (Beilharz 1996, 2003, Knierim 1988).

Gegenwärtige Lage
Betrachtet man die derzeitige Lage der Musik in anthroposophisch arbeitenden heilpädagogischen Heimen und Schulen, ergibt sich ein vom bisher beschriebenen in mancher Hinsicht abweichendes Bild. Früher  kam der Musik  eine zentrale Rolle innerhalb der Arbeit zu, herrschte ein musikalisches Grundklima. In dem Maße, wie die heilpädagogischen Gemeinschaften sich als Kulturinseln verstanden, wurde auch die Musik, weit über die rein fachlichen Belange hinaus,  als Kulturerneuerungsimpuls begriffen. Aus dieser Bewußtseinshaltung heraus wurde ein unverwechselbarer Musikstil entfaltet und jahrzehntelang gewahrt. Dabei war die Leier das zentrale Instrument, seit Ende der 1960er Jahre gehörten auch die nach und nach entwickelten Choroi-Instrumente zum Erscheinungsbild.[4] Innerhalb der noch wenig geschiedenen Arbeitsbereiche verstand sich der Musiker als Künstler, Lehrer und Therapeut in Personalunion. Dabei gab es durchaus persönliche Schwerpunktsetzungen, aber kaum reines Spezialistentum.

Heute ist dieses einst so tragfähige musikalische Klima vielfach geschwächt. Dafür lassen sich verschiedene Ursachen feststellen: Zunehmende behördliche Reglementierungen und daraus resultierende Sparzwänge; veränderte (musikalische) Lebensbedingungen und Bedürfnisse von Kindern und Mitarbeitern. Bedeutung und Möglichkeiten der Musik werden vielfach unterschätzt; musikalische Kompetenz droht – nicht erst seit PISA - zur echten Mangelware zu werden. Aus den erwähnten Gründen, darüber hinaus durch zunehmende institutionelle Differenzierung und durch die Angleichung – im steigernden, aber auch im beschränkenden Sinne - an allgemein übliche fachliche Standards ist die Rolle der Musik marginalisiert,  sie selbst mehr und mehr den Spezialisten überlassen worden.

Dennoch wird heute weltweit in vielen anthroposophischen Einrichtungen gute, oft hervorragende musikalische (künstlerische, pädagogische, therapeutische) Arbeit geleistet. Dies geschieht zwar nicht mehr in der selben Breite und Selbstverständlichkeit wie in den Pionierzeiten, und die Musiker (Musiklehrer, -therapeuten), die in einer dem Hören nicht sehr geneigten Zeit sich manchmal wie Einzelkämpfer fühlen mögen, haben keine leichte Aufgabe.

Das jüngst von Klaus-Benedikt Müller, einem renommierten Schweizer Heilpädagogen und Musiktherapeuten, formulierte Ideal: „Musik in der Heilpädagogik wird sich in Zukunft zu einem Basiselement heilpädagogischer Ausbildungen und zu einem Basiselement heilpädagogischer Praxis entwickeln“ (Müller 2001, S.11) – in Pionierzeiten anthroposophischer Heilpädagogik schon einmal errreicht – heute  muss es auch in antroposophischen Einrichtungen in mühsamen kleinen Schritten täglich neu errungen.

Gerhard Beilharz

Gerhard Beilharz ist als Musiker freiberuflich tätig und unterrichtet u.a. am Rudolf-Steiner-Seminar für Heilpädagogik, Bad Boll, und an der Freien Musik Schule (Kunst – Pädagogik – Therapie). Die vollständige Fassung des vorliegenden Beitrags  erscheint  im November 2004 in dem vom Autor herausgegebenen Sammelband „Musik in Pädagogik und Therapie“ im Verlag Freies Geistesleben.

Literatur:
Beilharz, Gerhard (Hg.): Erziehen und Heilen durch Musik. Stuttgart, 1989. Freies Geistesleben;
Beilharz, G.: Quintenstimmung und Kinderlied. Weilheim 1997. Selbstverlag;
Beilharz, G.(1984): Alois Künstler. Ein Überblick über das Werk. In: Lampson, E. u. H.(Hg.): Alois Künstler zum 80. Geburtstag. Eine Festschrift. Verlag Das Seelenpflege-bedürftige Kind, Wuppertal;
Beilharz, G.(1996): Die Freie Musik Schule und die Leier. In: Hollander,M./Rebbe,P.(Hg.): Die Leier. Entstehung und Möglichkeiten eines erneuerten Saiteninstruments. Verlag am Goetheanum, Dornach;
Beilharz, G.(1998/1999): Edmund Pracht und die Grundlegung der Musik in der anthroposophischen Heilpädagogik. In: Leier Rundbrief, hrsg. v.; Norddeutschen Arbeitskreis für Leierspiel. ( Brehmhof 1, 30173 Hannover). Teil I in Nr. 10, Michaeli 1998, Teil II in Nr. 11., Ostern 1999;
Beilharz, G. (2003): 4 biographische Artikel (Lothar Gärtner, Julius Knierim, Alois Künstler, Edmund Pracht). In: von Plato, B. (Hg.): Anthroposophie im 20. Jahrhundert. Verlag am Goetheanum, Dornach (im Druck);
Felber, R./ Reinhold, S./ Stückert, A.(Hg.) (2000): Anthroposophische Kunsttherapie Bd.3,  Musiktherapie und Gesangstherapie, Verlag Urachhaus, Stuttgart;
Knierim, J. (1988):Zwischen Hören und Bewegen. Edition Bingenheim, Wuppertal;
König, K. (1958/1969/1989): Zur Musiktherapie in der Heilpädagogik. In: Teirich, H.R.(Hg): Musik in der Medizin, Stuttgart 1958. Wiederabdruck in: Pietzner, C.(Hg.): Aspekte der Heilpädagogik, Stuttgart 1969; sowie in Beilharz, G.(Hg): Erziehen und Heilen durch Musik, Stuttgart 1989;
Lampson, E. u. H.(Hg.) (1984): Alois Künstler zum 80. Geburtstag. Eine Festschrift. Verlag Das Seelenpflege-bedürftige Kind, Wuppertal;
Lampson,H. (1993): Alois Künstler – Leben und Werk. In: Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland, Nr. 186;
Lievegoed, B.C.J. (1939/1983): Maat, ritme, melodie. De therapeutische werking van muzikale elementen. Diss. Utrecht 1939; Neudruck: Uitgeverij Vrij Geestesleben, Zeist 1983;
Müller, K.-B. (Hg) (2001): Musik als Begleiterin behinderter Menschen. Edition SZH, Luzern;
Müller-Wiedemann, S. (1989): Die Hörraum-Therapie und die Tonstärken-Therapie. In: Beilharz, G. (Hg.): Erziehen und Heilen durch Musik. Freies Geistesleben, Stuttgart;
Pfrogner, H. (1976): Lebendige Tonwelt. Zum Phänomen Musik. Langen Müller;
Pfrogner, H. (1978): Die sieben Lebensprozesse. Verlag Die Kommenden, Freiburg;
Pfrogner, H. (1985): Leben und Werk. Novalis Verlag, Schaffhausen;
Pfrogner, H. (1989): Die drei Lebensaspekte in der Musik. Novalis Verlag, Schaffhausen;
Rascher, I. (1969): Über eine Farblicht-Behandlung für Sehgeschädigte. In: Pietzner, C.(Hg.): Aspekte der Heilpädagogik, Stuttgart;
Russ; J. (1984): Ball und Reifenspiele. Edition Bingenheim, Wuppertal. (ursprünglich veröffentlicht in der Zeitschrift „Das seelenpflege-bedürftige Kind“, 1963 u. 1971);
Stückert, A. (1997): Verschiedene Aspekte der  Musiktherapie auf anthroposophischer Grundlage. Unveröff. Examensarbeit, Hochschule f. Musik, München.

[1] So wurden z.B. 1928 zu einer internationalen öffentlichen Tagung, der von Ita Wegman initiierten World Conference, ganze Kindergruppen samt Leierorchester aus dem Sonnenhof und den deutschen Instituten nach London gebracht um therapeutische Übungen zu demonstrieren.
[2] Das reiche diesbezügliche Erfahrungswissen wurde kaum schriftlich dokumentiert, sondern innerhalb der Heime und der Ausbildungskurse lebendig weitergegeben. In den letzten ca. 15 Jahren ist dieser einst sehr breite Erfahrungsstrom spürbar ausgedünnt worden. Dafür gibt es verschiedene Gründe: zunehmendes Spezialistentum innerhalb des Gesamtarbeitsfeldes, behördliche Reglementierungen und Sparzwänge (wieviel Musik kann man sich leisten?), eine allgemeine Entmusikalisierung des Lebens (die Verschüttung des Zugangs zu den subtileren Schichten der Musik durch ein Übermaß von Apparate-Hören hat auch vor anthroposophischen Heilpädagogen nicht haltgemacht). 
[3] Einige grundlegende Einsichten hat König in dem 1958 von H.R. Teirich herausgegebenen Sammelwerk „Musik in der Medizin“ dargelegt. Unter den bis Ende der 1980er Jahre insgesamt sehr spärlichen schriftlichen Verlautbarungen zur anthroposophischen Musiktherapie war Königs ausgezeichnete Darstellung die einzige, die in der Fachöffentlichkeit in breitem Maße wahrgenommen und immer wieder zitiert wurde.
[4] Im Rahmen dieses Beitrags können nur grobe Linien skizziert werden. Insofern ist das „Erscheinungsbild“ stark vereinfacht und zeigt nicht die Fülle der (vor allem im therapeutischen Bereich) sonst noch verwendeten Instrumente.