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Die biologisch-dynamische Arbeit bis heute

 

Qualitätsmaßstäbe, das allgemeine Ernährungssystem und die Demeter-Bewegung
Die Prinzipien der Biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise haben seit 1924 und in verstärktem Maße seit dem Ende des 2. Weltkrieges zu einer landwirtschaftlichen und gärtnerischen Praxis geführt, die im Hinblick auf die in der zweiten Jahrhunderthälfte allmählich beginnende Umwelt- und Ressourcendiskussion über eine reiche konzeptionelle und praktische Erfahrung verfügte. In ähnlicher Weise hat die Demeter-Bewegung für die Qualitätserkenntnis, deren Anwendung und Schutz Grundsätze zur Debatte gestellt, die für zahlreiche Reformbestrebungen weltweit richtungsweisend geworden sind.

 

Begründung und Entwicklung des Demeter-Bundes e.V. bis in die 70er-Jahre
Die Arbeit, die 1954 im Demeter-Bund e.V. Gestalt annahm, wurde wesentlich durch drei Persönlichkeiten bestimmt: Almar von Wistinghausen, Erwin Jaus und Franz Dreidax. Almar von Wistinghausen war die treibende Kraft in der Wiederbegründung der Demeter-Arbeit. Erwin Jaus, verantwortlich für die expandierende Brotfabrik Jaus, brachte seinen fachmänischen Rat und seine uneigennützige, von Idealismus getragene Unterstützung im Demeter-Bund zur Geltung.

Die Gründerversammlung des Demeter-Bundes e.V. fand am 16. Mai 1954 auf dem Dottenfelderhof bei Frankfurt statt. Im Protokoll heisst es: "Die Aufgabe des Bundes ist die Pflege des Demeter-Qualitäts-Strebens und die Förderung und Sicherung des Handels und der Weiterverarbeitung der aus der biologisch-dynamischen Arbeit stammenden Produkte. Ferner die Gewährung des Rechtsschutzes für die Produktion, die Weiterverarbeitung und den Handel von Demeter-Produkten durch Verleihung des vom Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise delegierten Demeter-Schutzzeichens und die Überwachung seines rechtsmäßigen Gebrauches. Die Vereinigung verfolgt keine wirtschaftlichen Zwecke, der Handel mit Demeter-Produkten usw. gehört nicht zum Aufgabenbereich des Bundes, er hat vielmehr gemeinnützigen Charakter."

 

Verbraucher-, Verarbeitungs- und Förderverbände
Eine qualitätsbezogene Verarbeitung und die Verteilung der biologisch-dynamisch erzeugten Nahrung bedeuteten immer einen wesentlichen Bestandteil der Demeterbestrebungen.

Im Mai 1960 wurde auf Veranlassung der Verarbeiter die Arbeitsgemeinschaft Verarbeitung und Vertrieb (AVV) begründet. Es sollte damit erreicht werden, daß beim Einzelhändler überall ein möglichst vollständiges Sortiment der Demeterprodukte zur Verfügung stand.

Im norddeutschen Raum schlossen sich Verbraucherinitiativen bereits in den 50er-Jahren zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Am 27. September 1959 wurde in Hannover eine Wirtschaftsgemeinschaft für Demeter-Erzeugnisse in Nordwestdeutschland und Holstein begründet.

Almar von Wistinghausen versuchte im Hinblick auf die zwischenzeitlich entstandenen Spannungen zwischen der süd- und norddeutschen Arbeit zu vermitteln, dennoch blieben die Spannungen bis zur Reorganisation der Demeter-Bewegung in die 90er-Jahre bestehen.

In einer Nachbesprechung einer Zusammenkunft von Bauern in Stuttgart im Dezember 1971 entstand das Bedürfnis, eine Vereinigung zu begründen, die sich der kontinuierlichen Behandlung von Fachthemen widmet. Unter maßgeblicher Beteiligung von Joachim Bauck wurde die Allgemeine Bäuerliche Vereinigung (ABV) am 27.Januar 1972 in Pforzheim begründet. Es bestand damit eine Institution, die eine überregionale Tätigkeit ins Auge faßte und ihre Aufgabe in der Behandlung geisteswissenschaftlicher Fragen und Themen sah.

 

Neuorganisation in der biologisch-dynamischen Arbeit in den 90er-Jahren
Der Neustrukturierung der Gesamtorganisation lagen in erster Linie zwei Faktoren zugrunde. Als erstes ist die nationale und internationale Ausweitung der biologisch-dynamischen Arbeit in Erzeugung, Verarbeitung und Handel zu erwähnen. Im Lauf der 80er-Jahre verdoppelte sich in Deutschland die Anzahl der biologisch-dynamisch wirtschaftenden Betriebe und die bewirtschaftende Fläche verdreifachte sich. Eine breite Demeter-Produkt-Palette von zahlreichen Herstellern, Weiterverarbeitern und Händlern fand sich auf einem rasch expandierenden Öko-Markt.

Zum anderen kam während der 80er-Jahre die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begonnene Entwicklungsphase zu einem Ende. Nicht nur die biologisch-dynamische, sondern auch anthroposophisch orientierte Arbeit trat als ganzes in eine Phase der Neuorientierung. Bisher tradierte Lebens- und Erkenntnisformen konnten von einer jüngeren Generation weder als tragend noch als orientierend empfunden werden.

Äußere und innere Entwicklungsfaktoren forderten gleichermaßen den Versuch eines neuen Zugriffs. Sie kamen zunächst in der strukturellen Reorganisation der biologisch-dynamischen Organisationen in den 90er-Jahren zum Ausdruck.

 

Restrukturierung des Demeter-Bundes
Zwischen 1985 und 1990 trat der mit fünf Jahren Laufzeit angesetzte staatliche Extensivierungszuschuss für landwirtschaftliche Betriebe in Kraft und war einer der Gründe, die zu dem Entwicklungsschub in der ökologischen und biologisch-dynamischen Landwirtschaft und ihrem Markt beitrugen. Fragen der Marktordnung und -gestaltung rückten zunehmend in den Vordergrund.

Für den Demeter-Bund sind die Jahre von 1990 bis 1995 durch die Bemühungen um eine grundsätzliche Neustrukturierung geprägt. Im Sommer 1991 wurde zwischen dem Forschungsring und Demeter-Bund einerseits und der Bäuerlichen Gesellschaft andererseits ein Vertrag geschlossen, in dem wechselseitiger Informationsfluss und einheitliche Handhabung der Warenzeichenvergabe und deren Finanzierung verabschiedet wurden.

Zunächst ging es um ein gegenseitiges Wahrnehmen und eine Prüfung der Gesamtstruktur der biologisch-dynamischen Bewegung.

Im Dezember 1994 gab sich der Demeter-Bund e.V. eine neue Satzung. Die Kernaufgabe des Demeter-Bunds blieben im Wesentlichen unverändert. Ihm obliegt "die treuhänderische Verwaltung des Warenzeichen <Demeter> und <Biodyn> für die Eigentümer, den Forschungsring für Biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, Darmstadt; die Überprüfung und Anerkennung (Zertifizierung) von biologisch-dynamisch geführten Erzeugerbetrieben, Verarbeitern und Großhändlern von Lebensmitteln; die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung eines Warenschutz- und Vertragssystems mit Erzeugern, Händlern und Verarbeitern von Demeter-Erzeugnissen; die Unterstützung von wirtschaftsassoziativen Initiativen". In der Zusammensetzung des Vorstands kamen neue Gesichtspunkte zur Geltung. Er setzte sich aus verantwortlichen Mitarbeitern verschiedener Verbände und Regionen zusammen und die geschäftsführenden Vorstände sollten Verantwortung für bestimmte Resorts übernehmen. Es wurde eine Organisationsform gefunden, in der alle Gruppen und Verbände, die mit der Demeter-Arbeit in Verbindung standen, an der Mitsprache und Mitgestaltung beteiligt waren.

 

Demeter-Marktforum
Im Sommer 1996 fand in Mannheim ein Sitzung statt, in der der Forschungsring, der Demeter-Bund und die Arbeitsgemeinschaft Verarbeitung und Vertrieb vertreten waren. Einziger Tagesordnungspunkt war die Besprechung eines neuen Organisations- und Personalkonzepts.

In einer Analyse der Aufgabenverteilung zwischen den drei Verbänden und ihrer Personalstruktur wurden die Gliederung ihrer Kernaufgaben und die Bündelung admistrativer Funktionen im Dienstleistungsbereich und in der Öffentlichkeitsarbeit besprochen. Im Hinblick auf die Herausforderungen des expandierenden Öko-Marktes wurde für November 1996 die Begründung des <Demeter-Marktforums> diskutiert und beschlossen. Aufgaben des Marktforums sind die Förderung der Erschliessung, Pflege und Entwicklung des Markts für Produkte aus dem biologisch-dynamischen Anbaus. Dazu gehören im Besonderen die Entwicklung der Leitlinien für Demeter-Markenpolitik, -Kennzeichnung und -Vermarktungswege, für Sortimente, Verpackungs- und Werbematerial; ferner die Förderung der assoziativen Arbeit aller Teilnehmer und die Erhaltung und Steigerung der Demeter-Lebensmittelqualität.

 

 

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