Die ersten Jahre nach dem Landwirtschaftlichen Kurs Rudolf Steiners
Aus dem Menschenkreis, der am Zustandekommen des Landwirtschaftskurses beteiligt war, gingen Persönlichkeiten hervor, welche die Anfangsjahre und die weitere Entwicklung der neuen Landwirtschaft bestimmt und getragen haben. Zunächst galt es, den "Landwirtschaftlichen Versuchsring der Anthroposophischen Gesellschaft" aufzubauen. Auf Anregungen Rudolf Steiners wurde verabredet, dass die Inhalte und Neuerungen, welche die Vorträge brachten, zunächst innerhalb der Gemeinschaft der Landwirte und Freunde gehalten werden, bis praktische Arbeitsergebnisse vorliegen würden. Dann könne man damit an eine breitere Öffentlichkeit herantreten. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Bewegung sollte in enger Zusammenarbeit mit der Naturwissenschaftlichen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum und dessen Leiters Guenther Wachsmuth erfolgen.
Erste Drucklegung des Landwirtschaftlichen Kurses und Führungsfragen
Am 10. Juli 1924 informierte Guenther Wachsmuth den Grafen Keyserlingk, dass Rudolf Steiner der Drucklegung des Landwirtschaftlichen Kurses zugestimmt habe. Die Verabredung, den Inhalt der Vorträge zunächst innerhalb der Gemeinschaft beteiligten Landwirte zu halten, galt insbesondere für den gedruckten Kurs. Um die strikteBeschränkung des Leserkreises zu gewährleisten, trug das Titelblatt einen Eigentumsvorbehalt des Autors und der Sektion.
Am 19. November 1924 sandte Wachsmuth die gedruckten Exemplare an den Grafen Keyserlingk zur Verteilung. Insgesamt wurde bin 1936 über 600 Exemplare an namentlich registrierte Empfänger abgegeben.
Die mündliche Überlieferung, dass sehr bald dem Landwirtschaftlichen Kurs eine unvollständige und lückenhafte Nachschrift desselben in den Händen gegnerisch gesonnener Kreise war, trifft zu. Sie war durch Jahrzehnte hindurch Grundlage polemischer Auslassungen in Wort und Schrift.
Den Vorsitz des neugegründeten Versuchsrings der Anthroposophischen Gesellschaft hatte Graf von Keyserlingk übernommen. Er richtete in Breslau eine Geschäftsstelle ein. Die nun folgenden vier Jahre bis zu seinem frühen Hingang am 29. Dezember 1928 zeugen von seiner Treue und tief gehenden Verantwortung gegenüber Rudolf Steiner und dessen Werk.
Das Vorgehen und die Pläne des Grafen trafen sehr bald auf Widerspruch. Seiner tief empfundenen Verehrung und Verpflichtung gegenüber Rudolf Steiner folgend, wollte er die strenge Geheimhaltung des Landwirtschaftlichen Kurses aufrechterhalten und auch mögliche Einnahmen aus Präparaten und Produktion der anthroposophischen Arbeit zugute kommen lassen. Man wollte seinen Entschlüssen keineswegs folgen. Schon seine beiden Kollegen in der Geschäftsführung des Versuchsrings wollten die Verpflichtungserklärung zur "Geheimhaltung" nicht unterschreiben. Ernst Stegemann und wünschte eine andere Formulierung und Rudolf von Koschützki lehnte die Verpflichtungserklärung zur Geheimhaltung rundweg ab. Sie widerspräche der "Grundbedingung allen anthroposophischen Strebens". Graf Lerchenfeld machte darauf aufmerksam, dass der geistige Inhalt des Kurses den ganzen Menschen gehöre und plädierte dafür, den wohlwollenden Bauern die Mitteilungen für ihre Arbeit zugänglich zu machen.
Die Auseinandersetzungen führten dazu, dass Graf Keyserlingk im September 1926 die Geschäftsführung des Versuchsrings niederlegte und dass sie im Einvernehmen mit Guenther Wachsmuth von Ernst Stegemann übernommen wurde. Graf Keyserlingk blieb jedoch bis zu seinem Tod im Vorstand des Versuchsrings tätig.
Die Gemeinschaft der landwirte und der Landwirtschaftliche Versuchsring der Anthroposophischen Gesellschaft
In den Jahren 1924-1927 bildete und formierte sich schrittweise die "Gemeinschaft der Landwirte" und der Versuchsring begann mit der praktischen Arbeit im Sinne der in Koberwitz getroffenen Verabredungen. Die Zulassung zur Arbeitsgemeinschaft und zum Versuchsring war von der Zugehörigkeit zur Anthroposophischen Gesellschaft abhängig. Die Anerkennung einer Versuchsstelle war an fachliche und sachliche Voraussetzungen gebunden.
Entscheidend für die zukünftige Entwicklung des Versuchrings war vor allem die Aktivität der jüngeren Mitglieder, also der Brüder Bartsch, Voegeles, Dreidax`, Pfeiffers und anderer, die an den jeweiligen Orten tätig waren.
Experimentelle und konzeptionelle Entwicklung in den Anfangsjahren
Der Anfang der biologisch-dynamischen Praxis verlief in sehr überschaubaren Verhältnissen. Dem zweiten Rundbrief an die Arbeitsgemeinschaft und den Versuchsring vom Februar 1925 lag ein alphabetisches Verzeichnis der Versuchsstellen bei, das 24 Namen und Adressen enthält.
Entwicklungsschritte aus den Jahren 1927 bis 1929
Die Bezeichnung "biologisch-dynamische Wirtschaftsmethode" taucht zum ersten Mal in einem Schriftstück vom 2. August 1927 auf, vermutlich dem Ergebnisprotokoll einer Sitzung in Stuttgart.
Die 1927 bestehenden Auskunftsstellen zeigen auf den ersten Blick, dass sie dort entstanden, wo ein Betriebsleiter oder Mitarbeiter tätig war, der diese Aufgabe übernehmen konnte. Sie wurden nicht geplant, sonder ergaben sich aus der praktischen Arbeit. So wirkte beispielsweise Ernst Jacoby in Südbaden, wo er im Umkreis seines Betriebes Interessenten versammelte. Bald ergab sich die Notwendigkeit, hauptberufliche Berater und Leiter von Auskunftsstellen zu berufen. Almar von Wistinghausen wurde damit beauftragt, eine Reihe von Betrieben zu bereisen. Nach dieser Reise übernahm von Wistinghausen die Funktion eines ersten hauptberuflichen Auskunftsstellenleiters für die Mark Brandenburg und die angrenzenden Regionen.
Einen ersten wichtigen Schritt in die fachliche Auseinandersetzung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft mit den konventionellen Vorgehensweisen bedeuteten die so genannten "paritätischen Kammerversuche", die von 1929 bis 1938 vom Versuchsring und der Landwirtschaftskammer Berlin und Brandenburg durchgeführt wurden. Die praktische Durchführung für den Versuchsring oblag Almar von Wistinghausen, von 1930 an vertrat Franz Dreidax die Belange des Versuchsrings. Die auf paritätischer Grundlage von der Landwirtschaftskammer und dem Versuchsring angelegten Versuche liefen sechs Jahr lang. Es konnte nachgewiesen werden, dass die biologisch-dynamische Düngung sich von Anfang an durch Qualitätsmerkmale unterschied, dass sich mit der zeit aber auch Mengenerträge einstellten, die dem Vergleich standhielten, d.h. höher waren als die konventionelle Volldüngung.
Die Beendigung des Versuchs fällt in die Mitte der 30er-Jahre, in die Zeit der beginnenden NS-Herrschaft, sodass er nicht das ihm gebührende Echo finden konnte.
Die Entwicklung in den Jahren 1930 bis 1933 ist durch die Umstellung weiterer Betriebe, zahlreiche Tagungen und Kurse, durch das Auftreten von seriösen und unseriösen Gegner oder Interessenten gekennzeichnet.
Seit Januar 1930 erschienen die anfänglich nur für die Arbeitsgemeinschaft Schlesien herausgegebenen Mitteilungen als "Demeter, Monatszeitschriftfür biologisch-dynamische Wirtschaftsweise".
Mit Beginn der 30er-Jahre ist ein zunehmendes Auftreten der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise in der Öffentlichkeit zu bemerken. Bei der Vertretung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise wurde vielfach an die damals besonders schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der allgemeinen Landwirtschaft angeknüpft und die Möglichkeiten einer Abhilfe durch die biologisch-dynamische Landwirtschaft wurden dargestellt. Erhard Bartsch charakterisierte das Verhältnis der Öffentlichkeit zu einem neuen Impuls und erkannte die damalige Entwicklungsphase der biologisch-dynamischen Arbeit: "Zunächst wird das Neue von den bestehenden Einrichtungen und Anschauungen totgeschwiegen. Dann wird es mit allen, auch den übelsten Methoden bekämpft und schließlich erklären die retardierenden Elemente einer Kulturepoche, dass das Neue ja gar nicht neu sei, dass man sich mit gewissen Einschränkungen durchaus die eben noch verketzerten Anschauungen zunnutze machen könne usw. (...) In der Bekämpfung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise scheint man in die zweite Phase eingetreten zu sein."
Was sich in diesen Ausführungen niederschlägt, sind Früchte der ersten Erfahrung im Umgang mit der Öffentlichkeit.
Die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise von 1933 bis 1945
Der Versuchsring anthroposophischer Landwirte

- Der "Versuchsring anthroposophischer Landwirte" erprobte umgehend die Angaben Steiners in der landwirtschaftlichen Praxis.
Landwirtschaftlicher Kursus
gehalten zu Koberwitz
7. bis 16. Juni 1924

- Als Manuskript gedruckte Erstausgabe der von Rudolf Steiners gehaltenen Vorträge in Koberwitz
