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Die Biologisch-dynamische Wirtschaftsweise 1933 bis 1945

Landwirtschaftliche Gegner und das Verhältnis zum NS-Staat
 

Siehe auch Studie der Landwirtschaftlichen Abteilung am Goetheanum

 
Die biologisch-dynamische Arbeit war Anfang der 30er-Jahre fortgesetzten Angriffen seitens der Industrie und der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) ausgesetzt.

In den ersten Monaten der NS-Herrschaft bot sich der Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland und in Dornach ein zwiespältiges Bild der Lage. Während führende Anthroposophen wie Albert Steffen, Ita Wegmann, Hermann Poppelbaum und mit Letzteren das Leitungsgremium der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland die NS-Herrschaft eindeutig ablehnten, hatten andere die Erfahrung gemacht, dass einige Parteistellen ein gewisses Entgegenkommen zeigten. Wie schwierig es angesichts der unterschiedlichen Interessen von Partei- und Staatsstellen war, Klarheit zu gewinnen, zeigten die regional unterschiedlichen Stimmungslagen. Im Herbst 1933 erließ der Landesbauernführer von Württemberg ein landesweites Verbot der Biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise, das allerdings vom Wirtschaftsministerium desselben Landes für rechtsungültig erklärt wurde.

Der erste wirklich bedrohliche Schlag gegen die Biologisch-dynamische Wirtschaftsweise wurde aber in Thüringen geführt, wo sich seit 1930 in drei Zentren ein rege Tätigkeit entfaltet hatte. Das Echo der Bemühungen war der Anlaß, dass schließlich am 15. November 1933 der thüringische Wirtschaftsminister Marschler eine "Landespolizeiverordnung über die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise" erließ. Mit dieser verbot er jede Erörterung der Biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise in Zeitungen, Zeitschriften oder sonstigen Druckschriften, in öffentlichen Vorträgen, Besprechungen oder bei Veranstaltungen und in Arbeitsgemeinschaften für Biologisch-dynamische Wirtschaftsweise; verboten wurden weiterhin jedes Anpreisen dieser Wirtschaftsweise, von Nahrungs- und Futtermitteln, die nach dieser Wirtschaftsweise gewonnen wurden. Die Umstände der begleitenden Pressekampagne zwangen auch zu Schritten vonseiten der biologisch-dynamischen Bewegung. Dreidax stellte die Frage: "Sollte man angesichts der offenkundig unmoralischen Kräfte, denen man unmittelbar gegenüberstand und die auch in anderen, mit der Landwirtschaft nicht zusammenhängenden Äußerungen des Nationalsozialismus zum Vorschein kamen, die Biologisch-dynamische Wirtschaftsweise tatenlos einstellen?".

Mit Artikeln und Veranstaltung versuchte Erhard Bartsch angesichts der Tatsache, dass sich die Gegner der Biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise nicht scheuten, Machtmittel des autoritären Staates einzusetzen, die Bestrebungen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft der NS-Ideologie entsprechend darzustellen. Da die Gegner über gute Verbindungen zu allen wichtigen Stellen des Machtapparates verfügten, begann auch Bartsch Vertreter aus Partei und Staat zu Tagungen einzuladen.

Zunächst ging es um den Versuch, für die landwirtschaftliche Arbeit einen relativen Schutz zu erreichen. Er wurde bei einer Besprechung mit Rudolf Hess am 18. Januar 1934 erwirkt. Hess ordnete am 22. Januar 1934 an, "dass jede einseitige politische Debatte über dieses Thema (die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise),(...), aufzuhören hat". Er wies auf die abzuwartende Erfahrung und weitere wissenschaftliche Beobachtungen hin.

Rudolf Hess war in keinster Weise am Weiterbestehen der Anthroposophischen Gesellschaft interessiert, er wollte aber die brauchbaren Elemente der biologisch-dynamischen Landwirtschaft für den NS-Staat gewinnen. Am 14. März 1936 entschied der Vorstand des Reichsverbandes durch die Angliederung an die "Deutsche Gesellschaft für Lebensreform" auch die Mitgliedschaft im Reichsnährstand zu erlangen. Die Landwirte konnten auf diesem Wege zum ersten Mal seit 1927 in Ruhe vorangehen, anderseits war zumindest tendenziell etwas eingetreten, was von Rudolf Steiner nicht intendiert war: nämlich dass dieser Impuls dem nationalen Egoismus dienstbar gemacht wurde. Dennoch konnten die Betriebe durch diese Schritte bis 1945 arbeiten, denn die Gestapo-Aktion 1941, die nahezu sämtlichen anthroposophischen Aktivitäten ein Ende bereitete, richtete sich nur gegen die Organisationen des Reichsverbandes. Die Landwirte hingegen konnten auf ihren Höfen ungestört weiterarbeiten.

 

Wiederbeginn und Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg