Validierung im Bereich Bildschaffender Methoden
Der Wert einer analytischen Methode wird durch ihre Validierung sichergestellt. Validierung bedeutet, den Einfluss aller infrage kommenden Faktoren auf die Ergebnisse zu untersuchen und zu dokumentieren, um die Eignung der Methode für die vorgesehenen Anwendungen festzustellen, die Richtigkeit und Reproduzierbarkeit ihrer Ergebnisse zu sichern. Dies gilt auch für Bildschaffende Methoden, nur stellt sich, bedingt durch die Erkenntnisweise, die Frage nach der Gültigkeit der Ergebnisse hier anders und schwieriger dar.
Auf seiten des Subjekts ist zu beachten, dass der mit Bildschaffenden Methoden Arbeitende sehr viel stärker und in anderer Weise in das Zustandekommen der Ergebnisse involviert ist. Wie dargestellt, werden die »Bilder« nicht nur äusserlich erfahren. Die Ergebnisse lassen sich also, insbesondere wo es sich um die Ebene der Bildegesten handelt, nicht von mir ablösen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie »subjektiv« wären. Was auf dieser Seite eine Art Gegenstück zur objektseitigen und technischen Validierung darstellt, lässt sich als praktiziertes Methodenbewusstsein bezeichnen: Gelingt es, die charakterisierte Haltung des »Begriffsverzichts« einzunehmen und aufrecht zu erhalten, so dass sich der Gegenstand aussprechen kann? Ist der Wechselprozess zwischen dem Erkennenden und dem Gegenstand intensiv genug durchlaufen worden? Festigt sich eine gewonnene innere Anschauung, und wird sie in adäquate Begriffe gefasst? Antworten auf diese Fragen liegen zunächst in der alleinigen Verantwortung des Erkennenden. Vereinheitlichungen oder wenigstens Verständigungen über Kriterien, Begriffe und Ausdrücke können zu Nachvollziehbarkeit und Vergleichbarkeit der Ergebnisse beitragen. Dies ist Gegenstand verschiedener Publikationen und gegenwärtiger Forschung (siehe Geier 2003, Knijpenga 2001, Piva 1994 sowie die Beiträge in Elemente der Naturwissenschaft 1987).
Auf seiten des Objekts ist zu beachten, dass man es nicht mit Messwerten, sondern mit Gestalten zu tun hat. Diese unterscheiden sich äusserlich mehr oder weniger, auch bei parallelen Untersuchungen mit derselben Probe unter denselben Bedingungen. Das ergibt sich notwendig aus der Labilität des offenen Systems, das den Methoden jeweils zugrunde liegt. Erst auf der Ebene der Gestaltungsweise oder Bildegeste finden sich Übereinstimmungen zwischen den Parallelen. Diese Ebene entzieht sich jedoch naturgemäss dem Streben nach Standardisierung. Eine mathematisch-statistisch erfassbare Validierung Bildschaffender Methoden ist daher erschwert. Allerdings gibt es Bemühungen, die Versuchsbedingungen zu standardisieren, die durchaus vorhandenen messbaren Aspekte der Gestaltungen zu quantifizieren und die Ergebnisse entsprechend zu behandeln (siehe Andersen 2001 sowie die Beiträge in Tagung Bildschaffende Methoden 2003). Ersteres hilft bei der eindeutigen Identifizierung des Probeneinflusses auf die Gestaltung und trägt zur Vergleichbarkeit verschiedener Untersuchungen bei. Letzteres kann eine Hilfe beim Sichern und »Festmachen« von Eindrücken sein, die sonst leicht im Vagen bleiben.
Die Methoden hinsichtlich der genauen Kenntnis aller beteiligten Einflussgrössen transparenter zu machen, sind ebenfalls verschiedene Bemühungen in Gang (siehe ebd.). Zudem werden Untersuchungen mit Bildschaffenden Methoden – insbesondere, wenn es sich um neuartige Proben oder Fragestellungen handelt – normalerweise mit einer Art innerer Validierung in Form von Konzentrationsreihen oder -matrizes durchgeführt (siehe z.B. Andersen et al 2000).
Martin Rozumek
