Dreigliederungslehre
Steiner beschreibt den Menschen psychologisch und physiologisch als dreigliedrig. Diese Dreigliederung zeigt sich in der Tätigkeit und Wirkung von Sinnes-Nerven-System, Rhythmischem System (Atmung, Blutzirkulation) und Stoffwechsel-Gliedmassen-System. Jedes der drei Glieder wirkt mit einer gewissen Selbständigkeit. Keine völlige Trennung, vielmehr Wirkungsschwerpunkte.
Jedes der drei Glieder hat einen eigenen Bezug zur Aussenwelt: Das Kopfsystem durch die Sinne, das Rhythmussystem durch die Atmung, das Stoffwechselsystem durch Ernährung und Bewegung.
Die Glieder durchdringen sich vollständig, so dass in jedem Organ, an jeder Stelle des Organismus in jeweils verschiedener Stärke die Wirkung aller drei Glieder vorhanden ist.
Neben der räumlichen Durchdringung gibt es zahlreiche funktionale Verbindungen zwischen den Systemen durch systemübergreifende "Kommunikation". Darüber hinaus sucht jedes System eigene Aussenbeziehungen.
Räumlich und physiologisch stehen sich das Nerven- Sinnessystem (zentralisiert im Kopf) und Stoffwechsel-Gliedmassensystem (zentralisiert im Unterleib) polar gegenüber. Das Brustsystem wirkt vermittelnd in der Mitte.
Funktional zeigt sich im Nerven-Sinnessystem ein Abbau von Lebenskräften (erkennbar z.B. an absterbenden Gehirnzellen) und im Stoffwechsel-Gliedmassensystem ein Aufbau von Lebenskräften, die durch Atmung und Herztätigkeit vermittelt werden.
Sehr anschaulich stellt die Dreigliederung auch in Ökosystemen das grundlegende Ordnungsmuster dar: Auf der einen Seite bauen die grünen Pflanzen als Produzenten ständig lebendige Substanz (Biomasse) auf. Ohne Mithilfe der abbauenden Organismen, der Destruenten (Bakterien und Pilze) wäre aber eine Tätigkeit der Produzenten nicht möglich, da nur so ein Rückfluss der Stoffe garantiert ist. Zwischen diesen beiden Polen gliedern sich die Konsumenten (Tiere, Mensch) ein. Sie sind einerseits abhängig von der Biomasse der Produzenten, leiten aber ihre Stoffe dann den Abbauern zu.
