Metamorphosenlehre
Die Erforschung des Lebendigen kann über verschiedene Wege angegangen werden. Eine sehr sowohl mächtige wie auch schwierige Methode ist die über den gesamten Organismus, über die Gestalt eines Lebewesens. Suchantke versucht den Organismus folgendermassen zu fassen: "Es herrschen zirkuläre Prozessgestalten vor, die auf ein übergeordnetes, sich selbst erhaltendes, selbst organisierendes und gleichzeitig selbst verwandelndes Ganzes verweisen." (Suchantke 2002) Die organismische Gestalt ist "nicht nur räumlicher, sondern vor allem auch zeitlicher Natur" (Suchantke 2002).
Metamorphose ist in der Biologie üblicherweise bekannt als die Verwandlung von der Kaulquappe zum adulten Amphib oder von der (holometabolen) Insektenlarve zum adulten Insekt. Dieses Konzept der Verwandlung kann aber viel weiter gefasst werden.
Goethe hat die räumliche und zeitliche Verwandlung von Organismen an den verschiedensten Beispielen aufgezeigt. Seine Metamorphoseforschung an der Pflanze zeigt auf, wie durch die "Ausdehnungs"- und "Zusammenziehungs"-Prozesse die Pflanze sich steigert bis hin zur frucht- und samenbildenden Blüte. Dieses exemplarische Beispiel, das Goethe literarisch im Gedicht "Die Metamorphose der Pflanzen" bekannt gemacht hat, kann in den Formen- und Gestaltenreihen der lebendigen Natur fruchtbar gemacht werden.
