Physik war als “Leitwissenschaft” des 20. Jahrhunderts nicht nur selber Schauplatz radikaler Paradigmenwechsel, sie hat auch das Gesicht der Zivilisation grundlegend verändert -- nicht nur zum Schönen und Guten... Auch auf diesem Gebiet gibt es eine Reihe von Anregungen und Vortragszyklen Steiners, die neue Wege weisen sollen. Ansatzpunkt ist jeweils die Methodik der Naturwissenschaft -- durch das Aufgreifen der Naturwissenschaftlichen Methode Goethes.
Die beiden Hauptarbeitsgebiete anthroposophisch orientierter Physiker sind einerseits Optik und andererseits Strömungslehre als der Physik des “Lebenselementes” Wasser. Daneben gibt es vielfältige Beiträge zu Themenstellungen aus allen Bereichen der Physik von Kosmologie über Festkörperphysik zu Thermodynamik oder Fragen der Relativitätstheorie (vgl.
Bibliographie Goetheanistische Naturwissenschaft).
Das Bestreben, mit diesen Arbeiten an die Methodik Goethes anzuschliessen, also “goetheanistisch” zu arbeiten, impliziert eine grundsätzlich andere innere Haltung des Forschers. Nicht -- wie sonst üblich -- Mathematisierung des Untersuchungsgebietes ist das Ziel, sondern eine Formulierung des jeweiligen Ideengehaltes durch Begriffe, die aus dem Umgang mit dem Thema erwachsen. So ist das vielzitierte "Urphänomen" für sich genommen völlig ohne Erkenntniswert (und also auch nicht einfach für Laien "demonstrierbar"). Es geht um ein Kennenlernen der Natur und nicht um ein Erklären.
Doch gerade das Bemühen, bestehende Theorien und Methoden nicht nur anzuwenden, sondern sie auch auf ihren Gedankengehalt und ihre Angemessenheit gegenüber den Untersuchungsgegenständen hin zu befragen, hat vielerlei wertvolle und originelle Beiträge hervorgebracht. Steiners Anregungen hierzu (siehe Literaturliste) sind bis heute Quelle fruchtbarer Bemühungen. Anwendungsgebiete sind etwa die Physik-Didaktik, Forschung zur Wasserqualität (Institut für Strömungswissenschaften, Herrischried (DE)) oder die Arzneimittelherstellung Carus-Institut (DE), Hiscia (CH)).

